Waffel mit Puderzucker an Mettbrötchen auf Pappe

Waffel mit Puderzucker an Mettbrötchen auf Pappe Saisonrückblick einer Spielermutter

Was ist der Unterschied zwischen einer Spielerfrau und einer Fußballmutter? – Bei der Fußballmutter hat nur der Glamourfaktor Size Zero. Denn während die Spielerfrau auf der vom Blitzlicht gewärmten Tribüne nur schön dasitzen können muss, hat die Fußballmutter alle Hände voll zu tun. Sie ist Chauffeurin, Zeugwart, und Kaltmamsell in einer Person. Sie putzt staubige Schuhe und wäscht dreckige Trikots und kneift die Nase zu, wenn sie den infernalischen Duftcocktail der Schienbeinschoner mit Schuhdeo behandelt, in der Hoffnung, dass sie dann etwas weniger stinken. Sie fegt ständig die Steinchen weg, die zwischen den künstlichen Grashalmen der Kunstrasenplätze verstreut sind und von den Schuhen in die Wohnung getragen werden. Sie sorgt für die Verpflegung, füllt unzählige Wasserflaschen und gurkt ihren Sprössling zu jedem Training und jedem Spiel, bei Regen und Sonnenschein. Und man hat nicht mal ein Wörtchen mitzureden, ob man Fußballmutter werden will oder nicht. Man wird einfach dazu gemacht! Irgendwann in der Evolution hat nämlich Gott oder Darwin – oder wer auch sonst immer seine Finger da im Spiel hatte – ein rundes, schwarz-weißes Gen auf das Y-Chromosom gepfuscht, was dazu führt, dass bei fast allen Jungs zwischen sechs und acht das Fußballfieber ausbricht. Und es ist ansteckend. aus: Hanna Dietz: Fußballmütter, Rowohlt, 2017

Rückblickend auf die Saison 2018/19 der EIII der SG Einheit Zepernick kann man nicht sagen, was sich tiefer ins Gedächtnis eingegraben hat: Der monatliche Anblick von Waffel mit Puderzucker an Mettbrötchen (Abb. 1) auf Pappe inmitten opulenter Turnier-Buffets oder das Wechselbad der Gefühle, in das man jedes Wochenende am Spielfeldrand gnadenlos geworfen wurde. Wut, Übermut, Verzweiflung, Jubel, Schmerz, Freudentaumel, Ohnmacht ... Großes Kino. Wie im echten Theater, nur echter. Guter Fußball ist zweifellos wie ein gutes Theaterstück, mit einem entscheidenden und vorteilhaften Unterschied: Man kann vorher nie wissen, wie das Stück verläuft und wie es ausgeht. Aber unsere E1-Jungs toppten die Spannung noch: Wir wussten nie, ob sie jetzt heute gut oder eher mäßig drauf sind, was dem Saisonverlauf eine zusätzliche Dimension der Unberechenbarkeit verlieh. Schon ‚unser’ Lothar Matthäus hatte ein Teil dieses Phänomens psychologisch und logisch durchschaut sowie treffend auf den Punkt gebracht: „Wenn man sich einredet, man ist müde, dann ist man müde.“
Mettbroetchen
Abb. 1: Mettbrötchen auf dem Sommerturnier der SG Einheit Zepernick E III, 25. Mai 2019

Nach dem Kantersieg im Testspiel gegen Ahrensfelde zum Saisonauftakt hatten wir wie einst Andy Möller „vom Feeling her ein gutes Gefühl“. Aber wer austeilt, muss auch einstecken können – diese Lektion mussten wir allesamt (Spieler, Trainer und Eltern) in Stetigkeit lernen und wir bekamen sie allwöchentlich mindestens zweimal 25 Minuten erteilt. Die Saisonfieberkurve der SG Einheit Zepernick E III gibt dieses Auf und Ab nur ansatzweise wieder, deshalb haben wir sie noch um die Fieberkurve der Trainer sowie der Eltern der SG Einheit Zepernick E III ergänzt. (Abb. 2)
Fieberkurve
Abb. 2: Fieberkurve Spieler, Trainer und Eltern der SG Einheit Zepernick E III, Saison 2018/19

Im Gegensatz zum psychischen Fiebern blieb das physische von unseren Jungs weitestgehend fern, da die meisten von ihnen regelmäßig am Training – bis November auf dem Platz, von November bis April in der Halle – teilnahmen und so einen erheblichen Eigenbeitrag zu ihrer Widerstandskraft leisteten. Mit Engelsgeduld und höchstem Engagement investierten Dennis und Martin Woche für Woche zwei Nachmittage, um den Jungs spielerisches Know-How und soziale Kompetenz beizubringen. Immer wurde viel gelacht und hart gearbeitet – nur selten griffen die beiden Trainer zu härteren Maßnahmen wie motivierenden Standpauken oder (nach der 1:12 Niederlage gegen Zehlendorf-Zühlsdorf) zu vier Wochen Wiesentraining auf dem Stoppelfeld vorm Platz. Den krönenden Abschluss eines jeden Trainings bildet das ‚richtige Spiel’ in den letzten Trainingsminuten. Im Vergleich zu anderen Teams hatten wir immer genügend Spieler zur Verfügung, um mindestens zwei gegnerische Mannschaften in kompletter Anzahl zu bilden. Die Neuzugänge überwogen die Abgänge um gefühlte 500 Prozent, so blieben uns hohe Transferausgaben erspart. Die Einkünfte der Mannschaftskasse steckten wir in andere sinnvolle Investitionen: Zu Weihnachten gab es Trainingstaschen und zu Ostern neue Trainingsanzüge für die Jungs. (Abb. 3) Mit Vereins- und Spielernamen, verdammt schick und in Zerpenicker Grün.Trainingsanzuege
Abb. 3: Präsentation der neuen Trainingsanzüge am Werbellinsee, April 2019

Die meisten Heimspiele in der Kreisklasse Ost Staffel C fielen, wenn die Jungs Lust hatten, gut drauf zu sein, zur allgemeinen Zufriedenheit aus. Aber „auswärts [waren wir meistens] nur, um Hallo zu sagen.“ (Niko Kovač) Jedoch am allerbesten spielen wir, „wenn der Gegner nicht da ist“. (Otto Rehhagel) Mit dieser bunten Mischung aus glücklichen, verdienten Siegen und unglücklichen, verdienten Niederlagen haben wir uns im Laufe der Saison souverän in der goldenen Mitte – fünfter Platz von neun Mannschaften – eingerichtet. Die wenigen spielfreien Wochenenden, die uns nicht auf den Platz zu Punktspielen riefen, durften natürlich nicht spielfrei sein. Um nicht aus der Übung zu kommen, jagte ein Turnier das nächste: Am 4. Januar in Borgsdorf, am 20. Januar in Karow, am 27. Januar in Finowfurt, am 17. Februar in Schwanebeck, am 23. Februar in Wandlitz, am 2. März in Schönow, vom 12. bis 14. April am Werbellinsee (siehe Beitrag unter Aktuelles) und am 15. Juni in Berlin-Köpenick traten unsere Jungs an. Highlights für unsere Mannschaft waren die selbst organisierten Turniere: der Schwester Agnes-Cup am 9. Dezember sowie die Turniere am 9. Februar 2018 und 25. Mai 2019. (Abb. 4) Da wir nicht nur generöse und wohlorganisierte (Komplimente und Dank dafür an die Trainer und Eltern!), sondern auch überaus höfliche Gastgeber sind, ließen wir bei den Spielen daselbst unseren Gästen den Vortritt und tummelten uns tabellenmäßig im hinteren Drittel. Diese Höflichkeit legten wir allerdings auch bei den anderen Turnieren nicht ab – wobei wenige Ausnahmen die Regel bestätigen.Zepernick Turnier
Abb. 4: Vor der Siegerehrung beim Zepernick-Turnier, 25. Mai 2019

Alles in allem war es eine gute, erlebnisreiche und prägende Saison – die Jungs sind eine Mannschaft geworden, die immer besser funktioniert, sowohl auf dem Platz als auch auf den Nebenschauplätzen. Das dies so ist, ist vor allem den Bemühungen der Trainer und Betreuer*innen zu verdanken. Teambildende Maßnahmen führten die Jungs im Herbst in die Kletterhalle und am 16. Mai zum Bowling. Im Anschluss wurde mit Eltern und heißen Hunden das Saisonende gefeiert. Fazit: Wir sind ein wunderbares Team, das vor allem die Spieler und die Trainer, aber auch immer mehr die engagierten Eltern mit einbezieht (selbstverständlich nicht auf dem Rasen, sondern hinter opulenten TurnierBuffets und bei ähnlichen Gelegenheiten). Auf die junge E I warten nun die Landesliga und gleich im September der Werbellinsee-Cup. Man kann nicht genau sagen, worauf man sich mehr freut: auf den allmonatlichen Anblick von Waffel mit Puderzucker an Mettbrötchen auf Pappe inmitten opulenter Turnier-Buffets, auf die Autofahrt sonntags 7 Uhr in irgendeine der entlegenen, tristen Brandenburgischen Kleinstädte oder auf das Wechselbad der Gefühle, in das man endlich jedes Wochenende auf dem Spielfeld oder an dessen Rand wieder geworfen wird. Jeder wird seine Vorlieben entdecken und entwickeln und nach der spielfreien Sommerpause wissen wir wieder, was uns gefehlt hat. Deshalb freuen wir uns auf die neue Saison, wenn es wieder – wie auf unserem in diesem Jahr entstandenen Banner (Abb. 5) – heißt: Mit Spaß am Spiel und fairem Kick – SG Einheit Zepernick!

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