Die E III der SG Einheit Zepernick e.V. auf dem 42. Werbellinsee-Cup

„Wir müssen gewinnen. Alles andere ist primär.“*

Die E III der SG Einheit Zepernick e.V. auf dem 42. Werbellinsee-Cup

Am 12. April 2019 war es endlich soweit: Dreizehn spielhungrige, mit nagelneuen Trainingsanzügen ausgestattete Kicker der SG Einheit Zepernick e.V. E III, zwei hochmotivierte Trainer und fünf ehrgeizige Spielermamas und Spielerpapas stiegen in drei Fahrzeuge gen Norden, um als Titelverteidiger beim 42. Werbellinsee-Cup (Frühjahrsausgabe) anzutreten.

Die Voraussetzungen waren so prächtig wie die Wetterprognosen, welche Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ankündigten: Unser Team strotzte nach der 1:12 Niederlage gegen Zehlendorf-Zühlsdorf am 5. April selbstverständlich vor Selbstbewusstsein.

Ferienbeginn, kindlicher Übermut und Aufregung vorm großen Turnier brachten es mit sich, dass in den Bussen der zulässige Richtwert für Lärmbelästigung um einige Dezibel überschritten wurde – absolut entspannt erreichten wir das EJB am Werbellinsee, wo wir das idyllisch gelegene und sogar beheizte Sommerhaus Nummer 6 bezogen. Sportliche Hochleistung und Teamgeist wurden schon beim Sturm aufs abendliche Buffet zusammen mit hundert anderen kleinen Kickern und beim rücksichtsvollen Leben zu zwanzigst unter einem Dach erfolgreich erprobt.

Die Wagemutigsten unter uns haben ihren Kampfgeist nochmals mit einer abendlichen Kissenschlacht trainiert. Während für die „Kleinen“ absolutes Verbot für die Benutzung digitaler Medien herrschte, hingen unsere „Großen“ im Aufenthaltsraum gebannt über ihren Smartphones, um das Heimweh zu kompensieren. Die Trainer besprachen die taktische Aufstellung für den kommenden Tag, denn wir wollten uns vom großen Meister  Udo Lattek ja nicht nachsagen lassen: „Sie spielen taktisch gut, obwohl sie ohne Taktik spielen.“

21 Uhr Nachtruhe, 6 Uhr Aufstehen, Trikots überwerfen und ab zum Frühstück.

8 Uhr wurden die ersten Spiele angepfiffen. In der E-Jugend traten 21 Mannschaften an – alte Bekannte waren dabei, aber auch Neuzugänge und Entdeckungen. Gespielt wurde in drei Gruppen, 7:1, im Wechsel auf drei Feldern. Die Spielzeit von acht Minuten war zu kurz, um alle Tricks, die wir auf Lager haben, auszuprobieren und sie war zu lang, um den Gegner mit drei schnellen (!) und präzisen (!) Pässen samt Treffer eiskalt abzuservieren. Eiskalt blieb das Wetter …

Unser Kasten blieb lange sauber, aber vorn wollte die Kugel trotz heißer Chancen, die wir großzügig vergaben, nicht ins Tor. Der Ex-Münchner Carsten Jancker hätte uns sicher folgenden Rat gegeben: „Man muss auch mal aus zwei Chancen drei Tore machen.“

So absolvierten die Jungs fünf souveräne 0:0-Spiele, bis wir dann aus Mitleid dem Gruppenletzten einen 2:0 Sieg verschafften. Aber beispielsweise Kamerun ist nach nur einem einzigen Gegentor und drei Unentschieden 1982 von der Fußball-WM auch ausgeschieden – als Trost reichte das jedoch nicht, die Jungen trotteten mit hängenden Köpfen vom Spielfeld.

Jedoch die heimliche Hoffnung, rein rechnerisch noch Erster der Staffel C werden zu können, wenn wir rein spielerisch „das Runde in das Eckige“ schaffen, brachte einen Wetterumschwung auch in meteorologischer Sicht – die Sonne brach durch und beschenkte uns mit einem Minimum an wärmeren Luftmassen. Mit aufgebesserter Laune jubelten die Zepernicker Kicker und ihre Entourage für das große Gruppenfoto in die Kamera.

Nach dem Mittagessen erfolgte ein Training der besonderen Art, denn was unseren Jungs noch schwerer fällt als Tore zu erzielen, ist das geordnete Laufen in Zweierreihe über eine Distanz von mehr als elf Metern. Mit hinreißender Geduld widmeten sich Dennis und Philipp dem Erlangen dieser außerordentlichen Fähigkeit, die den Jungs eine Höchstleistung an Konzentration und Selbstbeherrschung abverlangte. Unter den staunenden Blicken der Spieler von anderen, in Häufchen flanierenden Mannschaften marschierte die Riege dreimal die dreihundert Meter zwischen Sommerhaus und Speisesaal und verbrachte so einen Großteil der nachmittäglichen Freizeit äußerst sinnvoll. Als Belohnung für so viel Disziplin gab es für alle individuelle Freizeitbeschäftigung, eine süße Ostertüte vom Verein sowie von Sven Pause liebevoll und frisch gebackene Waffeln, die in schier unerschöpflichen Mengen genauso schnell vom Tisch in den Mägen verschwanden, wie sie herbeigezaubert wurden.

In wildem Spaziergang ohne Gleichschritt ging es dann am Ufer entlang bis nach Altenhof – Spielplatz und Wald luden zum Toben ein und der klare See funkelte in tausend Farben.

Nach dem Abendessen warteten alle auf den Einbruch der Dämmerung und das damit beginnende Feuerwerk samt Lasershow. Ein gigantisches pyrotechnisches Lichter-, Farben- und Klangkunstwerk erhob sich über dem See, bestaunt von allen Teams und vielen Besuchern aus dem Umland. Der Name jedes Teams wurde in den Nachthimmel projiziert, begleitet von frenetischem Jubel. Diese Eindrücke nahmen die Jungs wohl in ihre Träume mit, bis sie wieder um 6:00 Uhr am nächsten Morgen aus selbigen gerissen wurden. Zähneputzen, rein in die Fußballklamotten und raus in den Nieselregen. Frühstück, Aufwärmtraining und auf zur zweiten bzw. finalen Runde.

Trotz des strapaziösen Lauftrainings in Zweierreihe am Vortag begann es vielversprechend für die Zepernicker – zwei Siege in Folge. Dann besannen sie sich aber wieder auf ihre große Stärke in diesem Turnier: drei 0:0-Spiele folgten. Und „wenn man keine Tore schießt, ist es ganz schwer zu gewinnen“, wusste schon Reinhold Fanz, der unter anderem bei Fortuna Düsseldorf, Freiburg und Karlsruhe spielte, bevor er kurzzeitig Nationaltrainer Kubas wurde.

So war es dann auch: Während die feuchte Kälte Zuschauern wie Spielern in die Glieder kroch und man einen Ausrutscher kaum mehr von einem Foul unterscheiden konnte, waren wir bei der allerletzten Partie außerstande, das Allerletzte zu geben. Wir verloren 0:2 und katapultierten uns damit auf den 18. Platz.

Aber was sind schon Enttäuschung und Selbstkritik gegen einen gesunden Fatalismus, der es fröhlich aus der Runde schallen lässt: „Dritter von hinten klingt gar nicht so schlecht.“ oder „Lieber Vierter der Staffel C als Siebter der Staffel A …“

Die Teilnahme am 42. Werbellinsee-Cup war für alle ein wunderbares Erlebnis: ein spannendes Turnier und die Möglichkeit, über Training und Punktspiel hinaus etwas mehr Zeit miteinander zu verbringen. Ein großer Dank an alle, die das möglich gemacht haben.

Sportliches Resümee: Wir haben gut gespielt, manchmal sehr gut. Wir brauchen aber noch Konstanz und Durchhaltekraft in diesem guten Spiel. Daran wollen wir arbeiten, und die Arbeitsergebnisse dann auch unter Beweis stellen – zum Beispiel beim nächsten Werbellinsee-Cup …

Jürgen Wegmann, der 1989 mit den Bayern Deutscher Meister wurde, hat die beiden Turniertage für unser Team nochmals treffend zusammengefasst: „Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech hinzu.“ Aber wir hatten Spaß, auch am Spiel, und das ist das Primäre …

* Zitat von Hans Krankl, ehemaliger österreichischer Fußballspieler

Bilder folgen, sobald Internet ausreichend vorhanden ist

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